Notizen
Gedanken, Beobachtungen, Reflexionen
Dieser Raum ist für die Dinge zwischen den Zeilen. Für Gedanken, die sich nicht in ein Therapiekonzept pressen lassen. Für Beobachtungen aus der Praxis. Für Fragen, auf die ich noch keine Antworten habe.
Keine fertigen Artikel. Eher NotizenIm ursprünglichen Sinn: Das, was man sich aufschreibt, um es nicht zu vergessen. – fragmentarisch, unvollständig, lebendig.
Dezember 2024
Hishiryō – das Denken jenseits des Denkens
6. Dezember 2025
Enso - ein Ausdruck des MomentsIm Zazen gibt es diesen Begriff: Hishiryō – das Denken jenseits des Denkens. Nicht Nicht-Denken (das wäre nur die Abwesenheit von Gedanken), sondern eine andere Qualität von Bewusstsein.
In der craniosacralen Arbeit gibt es manchmal Momente, die sich so anfühlen. Die Hände liegen am Schädel, der Rhythmus wird spürbar – und dann verschiebt sich etwas. Das "Ich mache eine Behandlung" fällt weg. Es bleibt nur noch: Präsenz. Kontakt. Das, was gerade geschieht.
Vielleicht ist das, was wir "therapeutische Präsenz" nennen, genau das: Hishiryō. Ein Zustand, in dem wir nicht mehr über den Klienten nachdenken, sondern einfach mit ihm sind.
November 2024
Das Kind an der Brust
18. November 2025
Ein Säugling, drei Wochen alt. Trinkt nicht richtig, die Mutter verzweifelt. Nach der ersten Behandlung – sanfte Arbeit am Schädel, Lösung der Kompression im Kieferbereich – trinkt das Kind zum ersten Mal entspannt.
Die Erleichterung in den Augen der Mutter. Das ist es, warum ich diese Arbeit mache.
Manchmal sind es nicht die großen Dinge. Manchmal reicht es, dass ein Kind trinken kann und eine Mutter wieder schlafen.
Jean Gebser und die Bewusstseinsstrukturen
5. November 2024
Gerade wieder in Gebsers "Ursprung und Gegenwart" gelesen. Seine Theorie der BewusstseinsstrukturenGebser unterscheidet archaische, magische, mythische, mentale und integrale Bewusstseinsstrukturen. fasziniert mich seit Jahren.
Die Idee, dass verschiedene Bewusstseinsstrukturen nicht nacheinander kommen, sondern gleichzeitig in uns wirken – das passt zu dem, was ich in der Therapie erlebe. Manchmal braucht es das rationale Verstehen (mental), manchmal das Spüren und Fühlen (magisch), manchmal das narrative Einordnen (mythisch).
Vielleicht ist ganzheitliche Therapie genau das: Nicht eine Struktur über die andere zu stellen, sondern sie alle zur Verfügung zu haben.
Oktober 2024
Rilkes Fenster
12. Oktober 2025
Vielleicht sind wir hier, um zu sagen: Haus,
Brücke, Brunnen, Tor, Krug, Obstbaum, Fenster
Diese Zeilen begleiten mich seit Wochen. Was bedeutet es, die Dinge beim Namen zu nennen? Ist es nicht das, was wir in der Therapie auch tun – dem Unaussprechlichen eine Sprache geben?
Das Trauma, das endlich benannt werden kann. Der Schmerz, für den es Worte gibt. Die Sehnsucht, die einen Namen bekommt.
Vielleicht sind wir hier, um zu sagen: Angst, Trauer, Liebe, Halt.
Ältere Einträge
Die älteren Notizen sind im Archiv. Wenn dich etwas Bestimmtes interessiert oder du Fragen zu einem Thema hast, schreib mir gerne.